Frederike Pfefferkorns 1. Fall

Frederike Pfefferkorn sitzt in ihrem modern eingerichteten Büro vor einer dünnen Akte, als sie durch den offenen Türspalt hört und sieht, dass Hermann von Colditz einen gepflegt aussehenden, nicht mehr ganz jungen Mann, Typ Manager mit den Worten verabschiedet: "Herr Zenner, ich lasse die Vermögensaufstellung protokollieren und dann direkt Ihrer Frau zukommen. Wir sehen uns beim Termin im Amtsgericht Lüneburg, Zimmer 112, bei Richter Hofgessner. Uns seien Sie etwas früher dort, damit wir uns noch austauschen können." Danach kommen beide Juristen ins Gespräch, wobei der Ältere betont streng fragt:"Hast Du etwa schon wieder gelauscht, Rieke? Das hat Deinen Vater bereits auf die Palme gebracht!" "Aber "Onkel Hermann", Vater hatte auch immer gesagt, ich soll weisen Menschen immer gut zuhören!" Dabei lächelt sie spitzbübisch, was ihrem hübschen Aussehen zusätzlich eine besondere Note verleiht. "Nun mal im Ernst, war das nicht der Juniorchef vom Modehaus Fabrizio & Zenner? Was wollte der denn schon wieder in unserer Kanzlei?" "Du weißt ja, dass er sich scheiden lassen will, weil seine junge Frau schon monatelang sein Vermögen verschleudert. Zenner ist sehr ärgerlich, weil er bisher nicht dahinter gekommenm ist, wie das im Einzelnen abläuft. Jetzt, beim ersten Gerichtstermin wird sie wohl "die Büxe runterlassen" müssen". "Jetzt bist Du schon wieder in Deiner Jägersprache! Hoffentlich passiert Dir das nicht in der Sitzung. Da würde Richter Hofgessner keinen guten Eindruck von Dir bekommen." Von Colditz verzieht beim Rüffel seiner Juniorpartnerin keine Miene. "Aber es ist zutreffend. Seitdem Frau Zenner von ihrem Mann räumlich getrennt lebt, weiß er nicht mehr was sie tut und lässt. Als er sie einmal beim Shopping beobacht hatte, wirkte sie abwesend und war wie "ferngesteuert". Ja, so drückte er sich aus."  "Eigentlich kann ihm das doch ganz egal sein. Er will sich doch sowieso von ihr trennen." Ja, schon. Aber der Teufel steckt im Detail. Sie ist mehrheitliche Eignerin der Firma mit 52 % der Anteile und soll angeblich Teile des Betriebsvermögens auf ein dubioses Konto eines noch dubioseren Vereins transferieren. Zenner hatte in unserem Gespräch zynisch gemeint, dass ihn nur eine schnelle Scheidung oder das plötzliche Ableben seiner Frau vor der Insovenz bewharen kann." "Wie das? Das hört sich verdammt unheimlich an!" Der Anwalt blättert in seiner Akte. "Hier steht es schwarz auf weiß. Es besteht eine sehr hohe Lebens – und Unfallversicherung auf Gegenseitigkeit. Beide Eheleute könnten beim Tod des Partners davon profitieren. Aber da seine Frau erheblich jünger ist, dürfte mit ihrem früherem Ableben normalerweise nicht zu rechnen sein. Eine schnelle und unkomplizierte Scheidung mit Regelung der Finanzen ist dann doch naheliegender." Pfefferkorn nickt. "Das kann man ja für alle nur hoffen!"

Zukunftsträume

In der Großraumdiskothek „Star Palace“, im Norden von Hamburg, sitzen zwei Männer und eine gleichaltrige Frau im Gespräch zusammen. Das ist angesichts der dröhnenden Klänge aus den Megaboxen sehr schwierig. Ein langes Non-Stop Dancing steht bevor. Es gilt bis Sonntagmittag durchzuhalten und das ist nur möglich, wenn sich die Teilnehmer ab und zu die kleinen Pillen mit den drolligen, verharmlosenden Symbolen einwerfen, die die gefährliche Wirkung des illegalen Produkts vergessen lassen sollen. Das Gespräch der Gruppe dreht sich darum, dass ihr Bekannter aus dem Ecstasy- Geschäft aussteigen will und seine Absicht schriftlich erklärt hat. Der Gesprächsrunde ist klar, dass dieses brisante Stück Papier für den Strippenzieher der Deals den Weg in den Knast bedeutet. Zwei Tage später wird aus dem Mühlenteich bei Ohlendorf eine gefesselte, zunächst unbekannte männliche Leiche geborgen. Die Obduktion der Leiche ergibt, dass der Mann lebendig in das Wasser geworfen wurde und dann ertrunken ist.

Das andere Gesetz

Kriminalhauptkommissar Kluge findet in einer kleinen Wohnung in der Hagestraße in Lüneburg eine männliche Leiche vor. Gemeinsam mit seiner Kollegin Sigrun Elvers müssen sie feststellen, dass die Leiche zwei Schusswunden im Nacken aufweist. Bei dem Toten handelt es sich um den Lehrer Peter Weidebaum, 29 Jahre. Neben der Leiche wird eine Papiertüte mit frischen Weintrauben und einem Aufdruck gefunden, die auf einen türkischen Obst- und Gemüsehandel hinweist.
Nicht weit davon entfernt lauscht die 18 jährige Fatima in der äußerlich nicht erkennbaren Moschee dem Klang des Vorbeters und denkt dabei sehnsuchtsvoll an den Mann, der ihre große Liebe ist, aber der nach moslemischen Glauben als Ungläubiger bezeichnet wird. Gleichzeitig ist sie von Angst erfüllt, weil ihr muslimischer Vater für sie und gegen ihren Willen einen geeigneten Bräutigam ausgesucht hat. Niemand darf von ihrer heimlichen Liebe etwas erfahren.